Johannes Gutenberg - Universität Mainz

Institut für Soziologie

 

ERHEBUNGSTECHNIKEN IN DER SOZIOMETRIE

 

1. EINLEITUNG.. 1

2. DIE GRUPPE ALS GEGENSTAND DER SOZIOMETRIE.. 2

2.1. Defintion. 2

2.2. Struktur 3

3. DIE SOZIOMETRISCHE ERHEBUNG.. 4

3.1. Der Forschungsplan. 4

3.2. Morenos Verfahren. 5

3.3. Wahlverfahren. 6

3.4. Beurteilungs- und Skalierungsverfahren. 7

4. EIGENSCHAFTEN DER GEWONNENEN DATEN.. 8

4.1. Kriterium der Relationalität 8

4.2. Kriterium der doppelten Identifizierung. 8

4.3. Kriterium der Gruppenspezifität 9

4.4. Kriterium der Einschränkungsfreiheit 9

5. ZUSAMMENFASSUNG.. 9

6. LITERATURVERZEICHNIS.. 10

 

1. EINLEITUNG

In der Soziometrie werden Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer oder mehrerer Gruppen untersucht. Mit Hilfe verschiedener Verfahren werden die einzelnen Mitglieder befragt und geben so Auskunft über die Stellung ihrer Gruppenpartner in der Struktur der Gruppe.

Schon bevor der Arzt und Psychiater Jakob Levy Moreno (1890-1974) 1934 in seinem Hauptwerk "Who shall survive?" (dt. "Die Grundlagen der Soziometrie") die Grundzüge der Soziometrie darlegte, hatten bereits in den 20er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verschiedene andere Sozial­forscher, wie Hoffer, Bernfeld und Reininger, solche Untersuchungen in Jugendgruppen vorgenommen. Soziometrische Techniken wurden also weit vor der eigentlichen Begründung der Fachrichtung Soziometrie durch Moreno angewandt, als soziometrische Wahlen konnten sie allerdings erst nach 1934 bezeichnet werden. Der Verdienst Morenos besteht also in der "Idee der Realisierung soziometrischer Wahlen"[1], nicht aber der Entwicklung einer Forschungstechnik.

Im Jahre 1949 beschrieb Moreno die Soziometrie als Technik, mit der es möglich ist, Veränderungen innerhalb der Gruppen und deren Beziehun­gen nach außen durchzuführen, was schließlich "Wege zu einer Neuordnung der Gesellschaft", so der Untertitel der deutschen Ausgabe seines Haupt­werkes, bahnen würde. Diese Veränderungen sind allerdings nur möglich, wenn den Mitgliedern der Gruppen die Ergebnisse der Unter­suchung mitgeteilt und so Maßnahmen z.B. zur Erhöhung ihrer Effizienz eingeleitet werden können. Rainer Dollase bezeichnete diesen sozio­metrischen Vor­gang der Untersuchung einer Gruppe bezüglich einer bestimmten Dimension ihrer Struktur und die spätere Bekanntgabe der Ergebnise zum Zwecke ihrer Veränderung als "Interventionssoziometrie"[2].

Auf diese Richtung der Soziometrie soll hier nicht weiter eingegangen werden, vielmehr werden in dieser Arbeit gruppentheoretische Voraus­setzungen der Anwendung von soziometrischen Techniken und deren theoretische Grundlagen dargestellt. Weiterhin sollen verschiedene Ver­fahren der Datenerhebung in Gruppen vorgestellt werden, im speziellen das Beurteilungs- und das Wahlverfahren.

 

2. DIE GRUPPE ALS GEGENSTAND DER SOZIOMETRIE

2.1. Defintion

Um die Anwendung soziometrischer Verfahren in Gruppen erklären zu können, muß vorerst der Gruppenbegriff definiert und Voraussetzungen aufgeführt werden, die eine solche Anwendung möglich machen.

Der Soziologe Neidhardt definierte Gruppe folgendermaßen: "Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang durch unmittelbare und diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist."[3] In der Soziologie ist eine Gruppe also durch folgende Charakteristika gekennzeichnet:

(1)          Sinnzusammenhang: Abgrenzug der Gruppe nach außen durch die Verwendung von signifikanten Symbolen, z.B. bestimmten sprachlichen Eigentümlichkeiten

(2)          Mitgliederbeziehungen: Interaktionen und unmittelbare Kommunikation zwischen den Mitgliedern, z.B. als face-to-face-Beziehungen, mehrdi­men­sio­nale Beziehungen

(3)          relative Dauerhaftigkeit: Beziehungen auf bestimmte oder unbestimmte Zeit, feststellbare Existenz der Gruppe

 

2.2. Struktur

Mit Hife der Soziometrie können Aussagen über die formelle und die informelle Struktur der Gruppe gemacht werden. Mit Struktur ist der Beziehungsrahmen beschrieben, in dem sich die Mitglieder als Einheit im Sinne eines Wir-Gefühls integrieren und durch den sie sich nach außen ab­grenzen. In diesem Rahmen entwickeln sie ihre Aktivitäten innerhalb, z.B. als Kooperation, und außerhalb der Gruppe, z.B. in ihrer Freizeit. Diese  Beziehungen  sollen  nicht  durch  einen  Organisationsplan  formal festgeschrieben sein, sondern auf "freiwilliger und spontaner Basis ent­stehen"[4]. Das bedeutet jedoch nicht, daß keine formal konstituierten Gruppen untersucht werden dürften, wie z.B. Schulklassen, das Gegenteil ist der Fall. Gerade in diesen Gruppen sind die Beziehungen zwischen den Mitgliedern im inneren und äußeren System gut zu beobachten. Das äußere System, "das der formellen Gruppenorganisation entspricht"[5], wird in der Soziometrie genauso betrachtet wie das innere System als

"...eigenständiges informelles Sozialleben der Gruppenmitglieder...Es ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von persönlichen Beziehungen, die sich besonders in Präferenzen von Zu- und Abneigungen zwischen Gruppenmitgliedern zeigen."[6]

 

3. DIE SOZIOMETRISCHE ERHEBUNG

3.1. Der Forschungsplan

Die Mehrdimensionalität der Gruppenstrukturen ist zu beachten. Die Er­hebung soziometrischer Daten zielt darauf ab, mit Hilfe von Untersuchungs - Kriterien verschiedene Dimension der Beziehungen herauszuarbeiten. Diese Dimensionen haben entweder die Form von

(1)          "Dominanz und Submission"[7], Unter- bzw. Überordnung Einzelner oder

(2)          emotionalen Beziehungen, wie "Zuneigung und Abneigung".

Zusätzlich lassen sich gefühlsmäßig gebildete Beziehungen als "subjektive" und "faktische Interaktionspräferenzen"[8] herausarbeiten, als Bevorzugungen in Form subjektiver, individueller Wünsche und Einstellungen oder objektiver, beobachtbarer Aussagen und Verhaltensweisen. Natürlich lassen sich auch andere Gefühlshaltungen, wie Gleichgültigkeit oder Aggression, feststellen, jedoch zumeist erst bei der Auswertung von Daten.

Um die Darstellung der einzelnen Dimensionen der Gruppenstruktur und der Beziehungen ihrer Mitglieder zu ermöglichen, ist es notwendig im Rahmen eines soziometrischen Forschungsplans Operationalisierungen zu treffen. Die Bestandteile eines solchen Plans sind das Kriterium, die Frage­stellung und die Form der möglichen Antworten. Mit der Festlegung des Kriteriums wird die Untersuchung auf eine spezielle Sphäre im Gruppen­system festgeschrieben. Solche Bereiche sind beispielsweise "Arbeit, Reise, Wohnen, Diskussion"[9]. Durch die Fragestellung können neben den bereits erwähnten emotionalen Beziehungen ("Sympathie - Antipathie") und den Interaktionspräferenzen ("Einstellung - Verhalten") auch die "Wahrnehmung" und Einschätzung der einzelnen Mitglieder von sich selbst, der eigenen Gruppe und den Anderen festgestellt werden[10]. Es gibt für die Vorgabe der möglichen Antworten verschiedene Variationen. Erstens kann der For­schungsbereich erweitert werden, indem den Befragten erlaubt wird, in ihren Wahlen auch Personen außerhalb der eigenen Gruppe miteinzu­beziehen. Zweitens gibt es verschiedene Arten der Antwortmöglichkeiten bei den verschiedenen Verfahrensarten, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll.

 

3.2. Morenos Verfahren

Jakob Levy Moreno entwickelte in seinem Hauptwerk wenigstens zwei Arten der soziometrischen Erhebung: die (teilnehmende) Beobachtung und den soziometrischen Test. Erstere bezieht sich auf die "oberflächliche Betrach­tung" von Regelmäßigkeiten im menschliche Verhalten, eröffnet jedoch keine Möglichkeit "zu einer genauen Analyse der Gruppenstruktur"[11]. Besser geeignet für das Aufdecken der "inneren Entwicklungsphasen" einer Gruppe, jedoch nicht eines Individuums ist die teilnehmende Beobachtung, bei der sich der "Soziograph" aktiv an den Aktivitäten der Gruppenmitglieder beteiligt. Das Hauptproblem des Beobachtungsverfahrens ergibt sich aus der Gruppengröße. Bei einer zu großen Gruppe kann der Forscher leicht den Überblick verlieren. Ein solches Verfahren eignet sich daher für die Anwen­dung im Laboratoriumsexperiment, bei der die Gruppenstruktur beein­flußende Bedingungen kalkuliert in die Analyse aufgenommen und Faktoren wie Unübersichtlichkeit unterbunden werden können. Daher beschrieb Moreno das Verfahren des soziometrischen Tests. Dieser wird angewendet,

"...um genaue Kenntnisse der Gruppenorganisation zu erhalten. Er beruht darauf, daß ein Individuum die Teilnehmer für irgendeine Gruppe wählt, der es angehört oder angehören möchte. Da diese Wahlen von den Personen selbst bestimmt werden, wird jedes Individuum zum Teilnehmer. Auf diese Weise legt der Test die Beziehungen der einzelnen Personen zueinander frei und gibt somit ein Bild der Gesamtstruktur. Wir gewinnen Einsicht in die eigentliche Gruppenstruktur und nicht bloß in die von außen aufoktroyierte Struktur."[12]

Rainer Dollase setzt das hier beschrieben Verfahren des soziome­trischen Tests mit dem im Folgenden dargestellten Wahlverfahren gleich. Er beschreibt den soziometrischen Test als einen Persönlichkeitstest, der es ermöglicht Eigenschaften wie "Aggression, Abhängigkeit, Zurückhaltung, Depression und Gefallsucht"[13] quantitativ zu untersuchen. Auf diese Dimen­sionen bezog sich der peer nomination inventory aus dem Jahre 1961. Es gibt neben der Beobachtung und dem Experiment zwei Möglichkeiten einen solchen Test durchzuführen: der Forscher betreibt die Erhebung entweder als ein mündliches Interview oder mit Hilfe eines Fragebogens. Ersteres ist nur für die Anwendung als Gespräch in einer kleinen Gruppe geeignet. Hier sollen jedoch Verfahren beschrieben werden, mit denen Gruppen jeder Größe analy­siert werden können, nämlich mit Hilfe eines Fragebogens. 

 

3.3. Wahlverfahren

Das Wahlverfahren wird dadurch charakterisiert, daß den Befragten mehrere Möglichkeiten zur Beantwortung einer Frage gegeben werden. Sie wählen aus einer Reihe von Personen diejenigen aus, die ihrer Meinung nach am besten durch das genannte Kriterium, z.B. angenehmer Mitarbeiter, passen. Bei diesem Verfahren muß auf zwei Aspekte eingegangen werden: die Wahlbegrenzung und die Rangordnung.

Durch die Wahlbegrenzung wird der Prozeß der "Begrenzung oder Nicht-Begrenzung der möglichen erlaubten Wahlen"[14] beschrieben. Beide haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Während eine Begrenzung die Daten- menge reduziert und damit die Auswertung erleichtert, kann eine Nichtbe­grenzung dazu beitragen, daß Antworten spontaner gegeben werden, weil diese nicht erst einem Selektionsprozeß, wie er bei einer Begrenzung der möglichen Nennungen nötig wäre, unterzogen werden müssen. 

"Würde man etwa auf drei erlaubte Wahlen begrenzen, so würden diejenigen GM (Gruppenmitglieder, Anm. d. Verf.), die weniger als drei Personen nennen könnten (z.B. auf die Frage nach Freunden) jemanden 'suchen' müssen, hingegen jemand, der sechs andere Personen nennen könnte (etwa ein Freundeskreis) einige verschweigen."[15]

Jakob Levy Moreno forderte, daß keine Begrenzung von Wahlen statt­finden solle, vielmehr solle es den Befragten überlassen werden, wieviele Nennungen sie machen wollen. Die Vorteile dieser Praxis bestehen darin, daß z.B. eine in ihren sozialen Beziehungen sich zurückhaltend verhaltende Person, das "sozialrestriktive Individuum"[16], nicht zu Angaben gezwungen wird, die sie nicht machen will oder kann. Eine solche Gefühlshaltung, wie Zurückhaltung, schlechte Anpassung oder fehlende Inte­gration in die Gruppe, kann aus dem eventuellen Ausbleiben von Nennungen abgelesen werden. Ein Kompromiß aus Begrenzung und Nichtbe­grenzung wäre die Angabe einer oberen oder unteren Grenze oder einer Orientierungszahl, wie die Vorschrift zur Nennung von mindestens, höch­stens oder etwa drei Personen.

Eine Rangordnung ergibt sich aus einer zusätzlichen Vorschrift, die be­sagt, daß die Nennungen in die Form einer Reihung gebracht werden sollen, aus der die Quantität der Beziehungen ersichtlich ist - nicht jedoch die Größe der Lücken, die zwischen den Nennungen klafft. Eine andere Form der Rang­bildung kann durch eine Gewichtung innerhalb der Erhebung durch Unterstreichen derjenigen Person, die am besten das Kriterium erfüllt. Eine andere Möglichkeiten der Rangbildung stellt eine quantitativ gestufte Fragestellung mit jeweils nur einer möglichen Nen­nung dar. Eine andere Form des Wahlver­fahrens ist der Wahrnehmungstest, in dem vom Befragten sowohl die Charakterisierung Anderer vorgenommen werden soll, wie auch die "Wahler­wi­derung", die in einer Einschätzung der eigenen Postion in der Gruppenstruktur besteht. Ein Problem, das sich aus dem Konzept der Interventionssoziometrie ergeben kann, ist das der Wahlstrategien. Solche werden von den Befragten entworfen, "wenn bei der Testerhebung die Ankündigung gemacht wird, daß die Wahlen zur Basis einer Umgruppierung der Gruppe gemacht werden sollen."[17] Zwei solche Strategien werden beschrieben:

(1)          Populäre Personen werden nicht gewählt, weil angenommen wird, daß diese von vielen Anderen auch genannt werden. Die eigene Stimme hätte dann weniger Gewicht.

(2)          Populäre Personen werden als Zweite oder Dritte genannt, "um die Chance der Realisierung der Erstwahl zu erhöhen." [18]  

 

3.4. Beurteilungs- und Skalierungsverfahren

"Die Unterscheidung zwischen Wahl- und Beurteilungsverfahren ist eine rein formale:"[19] Bei dem Beurteilungsverfahren werden vom Befragten in der Antwort keine speziellen Namen genannt, vielmehr sollen einzelne, möglichst alle Gruppenmitglieder miteinander verglichen und nach ihren Eigenschaften beurteilt werden. In einer Skala soll das Gruppenmitglied seine Meinung von den jeweils Anderen unter dem Aspekt eines Kriteriums durch das Ankreuzen einer Zahl in einer sukzessiven Reihe äußern. So finden hierbei kontinu­ierliche Skalen Anwendung, auf denen der Betroffene z.B. eingestuft werden soll als "sym­pathisch", "gesellig" oder "unsympathisch"[20].

Bei solchen rating scales stehen den Befragten je nach Umfrage zwei bis hundert mög­liche Ein­stufungen zur Auswahl. Die Bedeutungen der ankreuzbaren Zahlen könnte sich etwa von "sehr sympathisch" bis "überhaupt nicht sympathisch" er­strecken. Die open ended-Technik besteht aus einer Frage­stellung, deren Ende ein Attribut darstellt, das von dem Befragten selbst gewählt wird. Hier werden also keine Vorgaben gemacht, die die Beurteilung vorherbestimmen könnten. Beim guess who?-Verfahren werden solche Vor­schläge in Form kombinierter Adjektive gemacht, die jeweils eine Person charakterisieren sollen. Ein weiterer Weg der Beurteilung ist der Paar­ver­gleich. Bei diesem Verfahren soll der Befragte aus einer Zweiergruppierung die Möglichkeit aus­wählen, die durch ein vorgegebenes Kriterium seiner Meinung nach besser beschrieben wird.

 

4. EIGENSCHAFTEN DER GEWONNENEN DATEN

4.1. Kriterium der Relationalität

Die durch solche soziometrischen Techniken erhaltenen Daten haben immer die Form von "'wer-wen-Daten', z.B. 'A kann B nicht leiden'"[21]. Sie beinhalten also immer eine Beziehung zwischen mindestens zwei Personen unter dem Aspekt des ausgewählten Kriteriums, hier das Nicht - Leiden - Können. Durch die Antwort wird eine Relation von Sender und Empfänger, von Befragtem und Genannten wiedergegeben.

 

4.2. Kriterium der doppelten Identifizierung

Beide Seiten der Beziehung sind als an ihr beteiligte Personen mit verschiedenen individuellen Eigenschaften identifiziert. Verallgemeinerungen wie "A kann B nicht leiden, also mag er alle die Menschen nicht, die mit B eine bestimmte Eigenschaft teilen" werden hierdurch genauso ausge­schlossen, wie geheime Wahlen, bei der nur eine einseitige Identifizierung vorliegt, also nur die eine Seite von den Gruppenmitgliedern mit speziellen Eigenschaften gekennzeichnet werden kann.

 

4.3. Kriterium der Gruppenspezifität

Die gewonnenen Daten gelten nur im vorher vom Forscher festgelegten Bereich. Verallgemeinerungen und bedingungslose Übertragung der Daten auf andere ähnlich strukturierte Gruppen sind nicht möglich. Jedoch werden Rückschlüsse auf formal gleich organisierte Gruppen und ihre Einbeziehung in den Forschungsbereich als sinnvoll angesehen.

 

4.4. Kriterium der Einschränkungsfreiheit

Jedes Element des Forschungsbereichs kann sowohl Sender als auch Empfänger in der untersuchten Beziehung sein, d.h. durch die Befragung wird niemand von dem Test ausgeschlossen. Jeder Befragte kann also in der gleichen Erhebung auch ein von Anderen Genannter sein.

 

5. ZUSAMMENFASSUNG

Die hier dargestellten Grundlagen und Techniken der soziometrischen Erhebung können auf folgende Art und Weise zusammengefaßt werden:

(1)          Die Soziometrie befaßt sich mit den formellen und informellen Strukturen von Gruppensystemen.

(2)          In diesen Strukturen eingebunden finden alle Beziehungen der Gruppenmitglieder statt. Diese Beziehungen müssen aufgrund ihrer Mehrdimensionalität mit Hilfe von Kriterien herausgearbeitet werden.

(3)          Die aufgestellten Kriterien erlauben es sowohl faktische als auch emotionale Interaktionspräferenzen und formelle Strukturen der Über- und Unterordnung zu untersuchen und die Wahrnehmung der Position der einzelnen Mitglieder zu erfragen.

(4)          Die dargestellten quantitativen Erhebungsverfahren verlangen von dem Befragten eine Charakterisierung und Einordnung der einzelnen Gruppen­mitglieder. Diese können mit Hilfe von Rangordnungen, Vergleichen oder  Skalierungen vorgenommen werden.

(5)          Die im Rahmen der Erhebung innerhalb eines festgeschrieben Forschungsbereichs gewonnenen Daten geben eine Beziehung zwischen mindestens zwei individuell identifizierter Gruppenmitgliedern wieder.

 

6. LITERATURVERZEICHNIS

Ardelt, Sabine:

Soziogramm. In: Roth, Erwin (Hrsg.): Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung und Praxis. 2. Aufl., München, Wien 1987, S. 184-195.

 

Bastin, Georges:

Die soziometrischen Methoden. Bern 1967.

 

Brüggen, Gerhard:

Möglichkeiten und Grenzen der Soziometrie. Ein Beitrag zur Gruppendynamik der Schulklasse. Neuwied, Berlin 1974.

 

Denz, Hermann:

Einführung in die empirische Sozialforschung. Ein Lern- und Arbeitsbuch mit Disketten. New York, Wien 1989, S. 36-51.

 

Dollase, Rainer:

Soziometrische Techniken. Techniken der Erfassung und Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen in Gruppen. 2. Aufl., Weinheim, Basel 1976.

 

ders.:

Soziometrische Verfahren. In: Koolwijk, Jürgen von und Maria Wieken-Mayser (Hrsg.): Techniken der empirischen Sozialforschung. München 1976, S. 217-248.

 

Friedrichs, Jürgen:

Methoden empirischer Sozialforschung. Reinbek 1973, S. 255-268.

 

Hartmann, Heinz:

Empirische Sozialforschung. Probleme und Entwicklungen. München 1970, S. 134-138.

 

Mayntz, Renate und Kurt Holm und Peter Hübner:

Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung. 4. Aufl., Opladen 1974, S. 122-133.

 

Moreno, Jakob L.:

Die Grundlagen der Soziometrie. Wege zur Neuordnung der Gesellschaft. 3. Aufl., Opladen 1974.



[1]Dollase, Rainer: Soziometrische Techniken. Techniken der Erfassung und Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen in Gruppen. 2. Aufl., Weinheim, Basel 1976, S. 28.

[2]vgl. Dollase, Rainer: Soziometrische Verfahren. In: Koolwijk, Jürgen und Maria Wieken-Mayser (Hrsg.): Techniken der empirischen Sozialforschung. München 1976, S. 217.

[3]Neidhardt, F.:Das innere System sozialer Gruppen. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 31 (1979), S. 642. zit. nach: Endruweit, Günter und Grisela Trommsdorff (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1989, Stichwort "Gruppe".

[4]Mayntz, Renate und Kurt Holm und Peter Hübner: Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung. 4. Aufl., Opladen 1974, S. 122.

[5]Brüggen, Gerhard: Möglichkeiten und Grenzen der Soziometrie. Ein Beitrag zur gruppendynamik der Soziometrie. Neuwied, Berlin 1974, S. 2.

[6]ebd., S. 3.

[7]Endruweit, Günter und Gisela Trommsdorff (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1989, Stichwort "Gruppe".

[8]Mayntz und Holm und Hübner: Einführung. S. 122f.

[9]Friedrichs, Jürgen: Methoden empirischer Sozialforschung. Reinbek 1973, S. 258.

[10]ebd., S. 258f.

[11]Brüggen: Möglichkeiten. S. 14.

[12]Moreno, Jakob L. zit. nach: Brüggen: Möglichkeiten. S. 14f.

[13]Dollase: Verfahren. S. 224.

[14]Dollase: Techniken. S. 42.

[15]ebd.

[16]ebd.

[17]ebd., S. 47.

[18]ebd.

[19]ebd., S. 49.

[20]ebd.

[21]Dollase: Soziometrische Verfahren. S. 218.