UNIVERSITÄT ZU KÖLN
Malaiologischer Apparat am
Orientalischen Seminar
„DER WANDEL DES SYSTEMS DER
FORMALEN BILDUNG IN INDONESIEN SEIT MITTE DES 19. JAHRHUNDERTS“
2. DAS KOLONIALE BILDUNGSSYSTEM
2.1. Die Anfänge
der öffentlichen Bildung
2.3.
Reorganisation der primären Bildung
2.4.
Reorganisation der sekundären und tertiären Bildung
2.5. Das Ende der
Zugangsbeschränkungen
3. DIE POSTKOLONIALE BILDUNGSSYSTEM
3.1. Die Folgen
der Unabhängigkeit
3.4. Die Fächer
des Curriculums
2. DAS KOLONIALE
BILDUNGSSYSTEM IM 19. JAHRHUNDERT
In dieser Arbeit
soll der Wandel des Bildungssystems in Indonesien von der Mitte des 19.
Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit dargestellt werden. Hierbei werde ich nur
auf die Institutionen der formalen
Bildung eingehen, die zahllosen Ausprägungen der informellen Bildung werde
ich vernachlässigen. Am Ende der Arbeit befindet sich eine ausführliche
Literaturliste zu diesem Thema. Aus verschiedenen Gründen kann ich hier nicht
zu jedem dieser Werke Stellung nehmen und werde zu jedem Thema zwei bis drei
Quellen heranziehen, die in meinen Augen die Entwicklungen und Institutionen in
ausreichender Prägnanz darstellen. Im letzten Teil der Arbeit werde ich
ausführlich auf das Curriculum von 1975 eingehen und die Inhalte der formalen
Bildung darstellen. Das System der islamischen Bildung werde ich
vernachlässigen, Literatur zum Thema findet sich jedoch in einem Anhang zum
Literaturverzeichnis.
Imke Swart
beschreibt die „Die traditionellen
Grundlagen der Erziehung“ als ein ideales System von Vorstellungen über ein
harmonisches Aufwachsen der Kinder. Am Lebensanfang stellt die Mutter mit ihrer
Zuwendung die Voraussetzung zur Integration in die kosmische Ordnung dar. In
den ersten beiden Jahren bewahrt sie das Kind vor Umwelteinwirkungen. Die
Beziehung zu den Geschwistern in den folgenden Jahren ist geprägt durch die von
der Mutter vermittelte Rolle. Später beschäftigt sich der Vater aktiv mit dem
Kind. Zuerst herrscht zwischen Kind und Vater eine physische und emotionale
Nähe, die sich später in die distanzierte Forderung von Gehorsam und
Selbständigkeit und die Vermittlung von Verhaltensregeln wandelt. Nach der
Erziehung im Elternhaus zieht der Jugendliche zu Verwandten der Mutter. Dies
entspringt der Vorstellung, die eigenen Eltern seien zu nachgiebig. Fremde
könnten den Jugendlichen besser in die Ordnung der Verhaltensregeln einführen.
Eine wichtige Gruppe im Leben eines heranwachsenden Jugendlichen ist die der
Gleichaltrigen. Bei ihnen lernt er die Praxis der Verhaltensregeln, in der Form
von Untergruppierungen, wie Tanz-, Musik- oder Lerngruppen, in denen
zeremonielles oder religiöses Wissen vermittelt wird. Der Jugendliche begibt
sich schließlich auf die Suche nach einem Lehrer und baut zu diesem eine enge
Beziehung zur Übermittlung von Wissen auf. Der Schüler kann eine der
traditionellen pesantren-Schulen
besuchen, sein Lehrer kann ein Spezialist auf dem Gebiet des Islam oder auf
einem anderen Gebiet, z.B. dem adat
sein (Swart 1983:52,56,62,88ff.).
Die ersten
Schulen wurden im 17. Jahrhundert von der VOC
gegründet. Dort lehrte ein niederländischer Lehrer den Kindern der
dominierenden einheimischen, asiatischen und europäischen Familien Lesen,
Schreiben, die Sprache der Kolonialisten und die christliche Denkweise. Dieser
Zustand bestand bis zur der Mitte des 19. Jahrhunderts, als auch für die
einheimische Bevölkerung die säkulare Bildung gefördert wurde. (Soedijarto
et. al. 1980:64)
In der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts stand primäre Bildung in Indonesien nur den Kindern
der Kolonialbeamten und der einheimischen Christen und Soldaten zur Verfügung.
Institutionen der sekundären Bildung existierten nicht. In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts wurde sekundäre Bildung nur für Europäer bereitgestellt.
In dieser Zeit enstand das Interesse an primärer Bildung für die Einheimischen.
Schulen für
Indonesier existierten bis dahin nur in Java. Seit 1816 wurden dort
ausschließlich Mitglieder der Prijaji-Familien in den Häusern der Europäer
erzogen. Die Kolonialisten interessierten sich für die Erziehung der
Bevölkerung, weil Personal für die expandierende koloniale Verwaltung aus den
lokal dominierenden Familien rekrutiert werden sollte. Diese erschienen wegen
ihres sozialen Status geeignet, die administrativen Positionen zu besetzen.
Nach Ansicht von Alisjahbana trafen die holländischen Kolonialisten in
Indonesien auf eine statische Gesellschaft, die an alten Mythen und Legenden
stärker interessiert war als an der Realität der modernen westlichen Welt. Ihre
Einstellung gegenüber dem kolonialen Bildungssystem war bestimmt durch den
Glauben an die Anerkennung und den Fortschritt, den ihnen das koloniale
Bildungssystem bescheren würde:
„To become an official of
the colonial government or to hold a position in a European enterprise meant
being accepted into a new milieu - the most advanced sector of colonial
society. Naturally Indonesians began to set a value on the school education
which the colonial government was now prividing in some areas.“ (Alisjahbana
1966:25).
Um sie hierfür
vorzubereiten wurden ihnen europäische Denkweisen von Gehorsam, Unterwürfigkeit
und Kompetenz vermittelt. Sie erhielten die gleiche Erziehung wie ihre
europäischen Altersgenossen, teilweise wurden sie aber auch als
unterentwickelt, nicht aufnahmefähig oder aber als Diener angesehen.
Das Grundgesetz
von 1818 sah erstmals Schulen für Einheimische vor. Weltliche Inhalte sollten
in den bis dahin existierenden traditionelen islamischen Schulen vermittelt
werden und einheimische Kinder sollten Schulen für Europäer besuchen dürfen.
Unter den Kolonialbeamten Van den Bosch und Baud wurden diesbezügliche
Planungen von Regierungsseite und durch private kirchliche Gesellschaften
realisiert.
Um 1848 wurde
der Gouverneur von Niederländisch-Indien ermächtigt, jährlich 25000 Gulden für
die Förderung des Systems primärer Schulbildung für Javaner im Haushaltsplan
vorzusehen. Um 1850 wurden verschiedene Missionsschulen erstmals
Regierungssubventionen eingeräumt. Die ersten öffentlichen Schulen wurden in
Form von dreijährigen Elementarschulen und privaten Schulen zur Ausbildung einheimischer
Lehrer gegründet. Diese „Dokter-djawa“-Schule
war auch zugänglich für Personen aus der unteren Prijaji- und der
Händler-Schicht. Nach der Absolvierung der Ausbildung und ihrem Einsatz im
kolonialen Dienst wurden auch untergeordnete Personen wegen ihrer relativ hohen
Stellung innerhalb der kolonialen Zivilverwaltung mit dem Status der Prijaji
gleichgesetzt. Oftmals hatten sie eine bessere Ausbildung erhalten als die
vorher in javanischen Institutionen ausgebildeten Prijajis.
Im Grundgesetz
von 1854 wurde die Förderung der Bildung für Europäer und für einheimische
Kinder als Pflicht der Regierung festgeschrieben und so die aktive
Bildungspolitik begonnen. Das „Gymnasium
Willem III“ für Europäer wurde 1860 eröffnet. Das Limit von 25000 Gulden
wurde außer Kraft gesetzt und verschiedene Schulen errichtet. Das Ziel dieser
Bildungspolitik sei „the mental
development of the people“. Das Ministerium für Erziehung wurde 1867
gegründet. Erst am Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl der Schüler jedoch
signifikant an. Im Jahre 1879 wurde die Hoofdenschool
oder Chiefs’ Schools für die
Söhne lokaler Regenten im Hinblick auf die Besetzung von Posten in der
holländischen Administration gegründet (Koentjaraningrat 1985:67; Van
der Waal 1963:XVIII, Van Niel 1984:27f.).
Der Berater der
Niederländischen Kolonialregierung, Dr. C. Snouck Hurgronje, wollte das
Interesse und die Loyalität der Indonesier für die positiven Seiten der
europäischen Kultur durch die Entwicklung eines besseren primären Schulsystems
steigern. Im Jahre 1892 wurde das Schulsystem auf zwei Kategorien aufgeteilt. (Van
der Waal 1963:XIX; Van Niel 1984:30). In den Schulen der ersten Kategorie wurde eine
fünfjährige Unterrichtszeit für Kinder einheimischer Oberhäupter und Personen
von hohem Stand bereitgestellt. Hierbei handelte es sich um Prijaji-Söhne und
solche Personen, die danach „Dokter-djawa“-Schulen
besuchen wollten. Diese Schulart beinhaltete einen relativ umfassenden
Lehrplan. In den Schulen der zweiten
Kategorie gab es einen dreijährigen extrem fundamentalen Unterricht in
Lesen und Schreiben für die unteren Bevölkerungsschichten.
Die entstehenden
Schulen in den großen Städten eröffneten den Zugang nur für die Kinder des
lokalen Adels und der Kolonialbeamten und wurden regelmäßig von Beamten besucht
und überwacht. Den Forderungen nach einer Expansion des Schulsystems wurde
entsprochen und verschiedene Qualifikationen, die den Zugang zu den Schulen
regulierten, eingeführt. Die indonesische Bevölkerung hegte zuerst Zweifel am
kolonialen Schulsystem. Bald erkannten sie, daß durch den Besuch einer dieser
Schulen ihren Kindern die Möglichkeit gegeben wurde, später in die koloniale
Verwaltung einzusteigen und die mit hohem sozialen Prestige ausgestatteten Positionen
zu besetzen. Teilweise gelang es nicht, die Forderung weiter Teile der Gesellschaft
nach Bildung adäquat umzusetzen (Alisjahbana 1966:32f.).
Seit etwa 1900
stand die holländische Kolonialpolitik unter dem Primat der „Ethical Policy“. Sekundäre Bildung
sollte entlang westlicher Maßstäbe von Ethik und Humanismus vermittelt werden.
Durch die „Erziehung der Massen“ sollte das Analphabetentum reduziert werden.
Ziel war die stärkere Einbindung der Indonesier in die Gestaltung der eigenen
politischen, ökonomischen und sozialen Zukunft (Van Niel 1984:72) und die
Anhebung des allgemeinen Lebensstandards. Im ökonomischen Bereich sollte dies
durch die Vermittlung europäisch geprägter Fähigkeiten und Ansichten von
Effizienz erreicht werden.
Man benötigte
nun nicht mehr nur Bürokraten, sondern auch Mediziner und Juristen und
versorgte daher die Kinder der Adligen mit moderner westlicher Erziehung. Diese
Familien konnten ihren Status durch die kolonialen Institutionen der Bildung
weiter ausbauen, ihren Lebensstandard erhöhen, und bestimmte Positionen
besetzen. Es entstand eine moderne Mittelschicht, die aus Lehrern bestand, die
auf der dörflichen Ebene einen ähnlichen Status wie die Prijajis hatten.
Die Schulen der
zweiten Kategorie waren vorgesehen zur Ausbildung der Kinder aus der
städtischen Unterklasse und derjenigen, die Lehrer in den Dorfschulen werden
wollten (Van der Waal 1963:XXI). Eine Studie des Regierungsbeamten
Jaspers ergab, daß sowohl von der dörflichen Ebene wie auch von den Prijajis
und den Städtern Druck zum Ausbau des Bildungssystems ausging. Kolonialminister
Fock baute im Sinne der Erziehung der
Massen die Zahl der Schulen der zweiten Kategorie im Jahre 1907 aus (Van
Niel 1984:66). Die daraus entstandene Standard-Schule stellte jedoch nicht die Qualifikationen bereit, um
den unteren und städtischen Schichten Zugang zum Verwaltungsapparat zu
ermöglichen. Sie erwies sich als „blind
alley“ und als Produzent einer besonders unbefriedigten Bevölkerungsschicht
(Van
Niel 1984:179). Erst 1921 wurde die erste „Schakel-School“ gegründet, die eine „Verbindung“ der Schulen der zweiten Kategorie zu den
höheren Institutionen der primären Bildung darstellten und somit den
Absolventen der Standard-Schulen den
Weg in die sekundären Bildungsinstitutionen ebneten (Van Niel 1984:222). Zur
gleichen Zeit suchten viele Prijaji-Familien für ihre Kinder Eingang in
europäisches Schulsystem in Indonesien. Nur dort existierte Unterricht in
Holländisch, die ihren Kindern eine Voraussetzung für den Eintritt in das
Verwaltungssystem bot. Die ersten einheimischen Söhne auf den europäischen
Schulen waren Protegés von Personen wie Hurgronje (Van Niel 1984:47f.).
Die Öffnung des
europäischen Bildungssystems in Indonesien resultierte in großem Druck auf
diese Bildungseinrichtung. Gouverneur van Heutsz erkannte ein Bedürfnis nach
holländischer Spracherziehung, das die Schulen der ersten Kategorie, die
eigentlich für die Kinder der Prijajis vorgesehen waren, nicht erfüllten. Daher
wurden 1907 die Schulen der ersten Kategorie reorganisiert, holländische Spracherziehung
wurde hinzugefügt und die Ausildungszeit um zwei Jahre erweitert (Van
Niel 1984:67f.). 1914 wurden die Hollandsch-Inlandsche
Schoolen gegründet. Sie umfassten sieben Jahre Ausbildung und waren mit den
Primärschulen für Europäer gleichgestellt. Hierdurch wurde der Forderung der
oberen Bevölkerungsschicht nach westlicher Bildung und nach Zugang zur
sekundären Bildung und zum kolonialen Verwaltungsapparat entsprochen. Die
Mehrheit der Schüler stammte jedoch von Verwaltungsbeamten ab (Koentjaraningrat
1985:68f.; Van Niel 1984:68,179).
Im Jahre 1907
wurden die ersten desa-Schulen in
Java durch van Heutsz gegründet. Sie sollten der Ausbildung der Massen dienen (Van
Niel 1984:68) und eine dreijährige Elementarbildung auf dem Land
bereitstellten. Trotz ihrer starken Expansion stellten diese Schulen keine Last
für die kolonialen Finanzen dar. Es wurden grundlegende Kenntnissen in Lesen,
Schreiben und Rechnen vermittelt. Für die Dorfbevölkerung waren sie ein entscheidender
Schritt zur Beseitung des Analphabetentums. Um dieser Bedeutung gerecht zu
werden, wären jedoch wesentlich mehr desa-Schulen
nötig gewesen. Van Niel schreibt dazu:
„It was part of a great
literacy program, but it was never quantitatively adequate to cope with the
immense work it had set up to do. Not thousands but tens of thousands of new
desa schools were needed each year.“ (Van Niel 1984:69).
Es gelang nicht
den Anteil des alphabetisierten Teils der Bevölkerung merklich anzuheben (Van
Niel 1984:68). Die gelernten Fähigkeiten wurden vergessen und nicht
weiter ausgebaut. Die Dorfbevölkerung hatte kein Bedürfnis nach Bildung, es
überwogen die Zweifel an den neuen Orientierungen der Jugend nach Karriere (Van
Niel 1984:178). Die Eltern nahmen Opfer in Kauf, mußten jedoch bald
erkennen, daß die Interessen ihrer Kinder nach dem Absolvieren der Schule sich
nicht auf das Dorf und die Gemeinschaft bezogen. Nach Ansicht von Alisjahbana
wurde durch die koloniale Bildung der gesellschaftliche Konsens zerstört (Alisjahbana
1966:32f.).
Nach Van Niel
reflektiert das Nebeneinander der desa-
und der reorganisierten Schulen der zweiten Kategorie, der Standard-Schulen, den Gegensatz von westlicher und nicht-westlicher
Bildung in Indonesien. Auf der einen Seite standen die mit rationaler
Weltanschauung ausgebildeten, individualisierten und erfolgs- und karriereorientierten
Absolventen der Schulen der zweiten Kategorie, auf der anderen Seite die am
traditonellen Zusammenleben orientierte Dorfbevölkerung (Van Niel 1984:69).
Um 1900 wurden
die Institutionen der sekundären Bildung reorganisiert. Die Chiefs’ Schools wurden an die Standards
der christlichen Administrationsschulen OSVIA
(Opleidingschool voor Inlandsche Ambtenaren) angepasst, deren Besuch nur
den Prijajis möglich war und die der Ausbildung einheimischer Administratoren
diente (Van Niel 1984:47,176). Auch die „Dokter-djawa“-Schulen wurden reorganisiert. Das Resultat war 1900
die STOVIA (School ter Opleiding van
Inlandsche Artsen), die der Ausbildung einheimischer Doktoren diente,
angeregt durch den Bedarf an billigerem medizinischen Personal. Unter Dr. H. F.
Roll wurde die Ausbildung an diesen Schulen ausgebaut auf sechs Jahre mit
anschließendem dreijährigem Praktikum. Um die STOVIA bzw. „Dokter-djawa“-Schulen
und die spätere Tätigkeit als Doktor attraktiv für die Einheimischen zu machen,
wurde seit 1891 das europäische Primärschulsystem für Indonesier geöffnet, die
Interesse an den Schulen für einheimische Doktoren und der Tätigkeit als Doktor
im Dienst der Holländer zeigten. Schließlich galt der Besuch einer europäischen
Primärschule und die Kenntnis der holländischen Sprache als Voraussetzung zum
Eintritt in die STOVIA, von der aus
auch der Zutritt zu medizinischen Schulen in den Niederlanden offen stand (Van
Niel 1984:51f.). Der Abschluß der STOVIA
wurde mit denen der anderen Schulen der sekundären Bildung vereinheitlicht. So
wurde 1913 die Ausbildungszeit auf sieben Jahre ausgedehnt, um den Abschluß der
STOVIA mit dem der NIAS (Nederlansch-Indische Artsen School),
die 1914 in Surabaya gegründet wurde, gleichzusetzen. Jedoch reichten auch
einige Jahre auf der STOVIA-Schule
ohne Abschluß aus für eine gute Position in der Zivilverwaltung oder im
privaten Bereich (Van Niel 1984:53). Das Bedürfnis nach gut ausgebildeten Lehrern
für die Hollandsch-Inlandsche-Schoolen
wurde durch die Gründung einer Schule zur Weiterbildung der Ausbilder gedeckt.
Generelle
sekundäre Bildungsinstitutionen entstanden 1914 mit der Meer Uitgebreid Lager Onderwijs (MULO) und 1918 mit der Algemene
Middelbare School (AMS), die eine
dreijährige allgemeine Bildung in Holländisch bereitstellten. Diese Schulen
stellten einen Anziehungspunkt für die unteren ländlichen Schichten dar und
sorgten somit nicht für die Verbreitung der holländischen Sprache in den oberen
Bevölkerungsschichten (Koentjaraningrat 1985:70f.).
Der Ausbau der
tertiären universitären Bildung begann 1920 mit der Gründung der Technische Hogeschool für Ingenieure in
Bandung. Im Jahr 1924 wurde die Rechtsschule in die Rechtshogeschool in Jakarta umgewandelt und die Schüler der STOVIA ab 1927 in die Geneeskundige Hogeschool integriert. Im
Jahre 1938 wurde die Verwaltungshochschule Bestuurs
Academie gegründet.
Erst zu Beginn
der 40er Jahre entschied man sich für die Zusammenlegung der Hochschulen in der
Faculteit der Letteren en Wijsbegeerte
für Philosophie und Kunst und in der Landbouwkundige
Faculteit für Agrikultur. Nach der Unabhängigkeit entstanden 1949 die
Universität Gaja Mada mit Fakultäten
für Ingenieure, Literatur, Jura, Medizin und Agrikultur und 1950 die Universitas Indonesia. Später
entwickelte sich das System der tertiären Bildung, so daß jede Provinz über
eine Universität verfügte. (Koentjaraningrat 1985:72f.;
Wong
1980:22f.; Fremerey 1977:10f.; Thomas 1973)
Mit der Gründung
von Institutionen der sekundären Bildung, wie der STOVIA-und Rechtsschulen, ging die Öffnung des Bildungssystems für
die unteren Schichten einher. Die Absolventen dieser Schulen begannen, die
Aufhebung der bestehenden Einschränkungen, z.B. des Zugangs durch Geburt, zu
fordern. Das Organ zur Artikulation dieser Forderungen war Budi Utomo. Im Jahr 1914 wurde die Bestuurschool,
eine Schule für den höheren
administrativen Dienst ohne Zugangsbeschränkungen, gegründet. Hier wurden die
Qualifikationen gelehrt, die nach einer Richtlinie der Regierung für die
Besetzung einer Position in der kolonialen Administration nötig waren. Ebenso
wurden die Beschränkungen für die Hollandsch-Inlandsche
Schoolen aufgehoben, eine Reaktion auf die Gründung gleichgestellter
privater religiöser Schulen ohne Beschränkungen. Die Öffnung für alle Schichten
war scheinbar. Nur die Prijaji-Familien waren gewillt, ihre Söhne in die Schule
zu schicken und finanziell dafür aufzukommen (Van Niel 1984:176f.).
Die Zahl derer,
die Zugang forderten und die Schulausbildung absolvierten überstieg die
Kapazitäten des Schul- und Verwaltungsapparates. Es bildeten sich „wilde Schulen“, wie die Taman Siswa-Schule. Sie wurde 1922
entlang den Vorstellungen von nationaler Autonomie und dem javanischen Ideal
der Harmonie verschiedener Kulturen aufgebaut (Van Niel 1984:219ff; Shadey
1959; Dewantoro 1963; Koentjaraningrat 1985:74f.). Gründer
war Soewardi Soerjaningrat, alias Ki Hadjar Dewantoro. Später erhielt sie die
staatliche Anerkennung, wie die Schulen unter privater Trägerschaft von Muhammadiyah und Sarekat Islam.
Der Aufsatz von
Soedijarto und anderen beschreibt das erziehungspolitische Vorgehen der
japanischen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1942 schufen sie eine
sechsjährige primäre Bildunginstitution. Das koloniale System der sekundären
Bildung, aufgeteilt in generell akademische und Berufsschulen, wurde in Berufsschulen
differenziert und Holländisch als Unterrichtssprache durch Malaiisch ersetzt.
Nach der
Unabhängigkeit 1945 wurde im Jahre 1950 ein Bildungsgesetz erlassen, das das
für alle Sechsjährigen das Recht und für alle Achtjährigen die Pflicht, die
Schule zu besuchen, festschreibt. Die Schulpflicht wurde in vielen Distrikten
durchgesetzt oder zumindest vorgesehen. In der Zeit von 1950 bis in die 70er
Jahre lagen die Ziele der Erziehungspolitik in der Bereitstellung von
universeller Erziehung, der Reduzierung des Analphabetentums und der Schärfung
des nationalen Bewußtseins (Suparmo 1961; Wong 1980:21).[1]
Die Richtung der
japanischen Politik wurde für die primäre Bildung fortgesetzt. Man betonte nun
die Funktion der „Volkschule“, die zu einer allgemeinen Anhebung des
Lebensstandards führen sollte und deren Absolventen dazu beitragen sollten, die
moderne Kultur der Städte in die Peripherie zu tragen. In diesen sechsjährigen
Schulen begann in der 4. Klasse der Geschichtsunterricht, in dem die Schüler
über die Entwicklung ihrer Nation aufgeklärt wurden (Hadjapakermas 1960a,
1960b; Soeroto 1959). Für die sekundäre Bildung kehrte man zum System
der Niederländer zurück, das nun ein Nebeneinander von akademischen und
Berufsschulen und von privaten und öffentlichen Schulen vorsah. Als
Fremdsprachen wurden Englisch und Deutsch unterrichtet. Der höhere akademische
Zweig der sekundären Bildung beinhaltete drei Richtungen, eine
mathematisch-wissenschaftliche, Literatur und Sprache und eine
sozialwissenschaftliche. (Soedijarto et. al. 1980:68).
In den 60er und
70er Jahren wurde das System vereinfacht. Die Spezialisierungen konnten nun
auch erst ab der 10. Klasse von den Schülern gewählt werden. (Parker
1992a:45; Soedijarto et. al. 1980:68). Es gab zu dieser Zeit:
· die Sekolah Dasar (SD), die für 7- bis 12-jährigen eine sechs Jahre
dauernde Primärbildung bereitstellt
· bei der niedrigen sekundären
Bildung die Sekolah Menengah Pertama
(SMP) - hauptsächlich generell akademischer Natur - und der Sekolah Lanjuntan Pertama (SLP) -
Berufs-, Wirtschafts- und Technikschulen, in denen in den Klassen 7 bis 9 13-
bis 15-jährige unterrichtet werden
· bei der höheren sekundäre
Bildung von der 10. bis zur 12. Klasse die akademische Sekolah Menengah Atas (SMA) und die Sekolah Lanjuntan Atas (SLA), die Richtung der Wirtschafts-,
Technik- oder Lehrerschulen[2]
Wong beschreibt
die Vereinheitlichung der Lehrerschulen 1964. Es enstand die Sekolah Guru Pendidikan für Lehrer der
Primärschulen und das Institut Keguruan
Ilmu Pendidikan für Lehrer der sekundären Ebene. Die Schüler werden in den
unteren akademischen sekundären Schulen nach drei Jahren in zwei Richtungen
(Naturwissenschaft oder Sprach- und Sozialwissenschaft) und in der oberen
akademischen Stufe in drei Richtungen (Literatur, Naturwissenschaft oder
Sozial- und Wirtschaftswissenschaft) aufgeteilt (Wong 1980:22ff.).
Mac Andrews
betont die Funktionen des Bildungsstandortes Java. Die ethnischen Gruppen
werden im Bildungsystem und die nationale Identität integriert. Indem Gruppen
aus entfernten Außenbezirken kommen, wird ihre Mobilität gesteigert. Wenn sie
nach der Erlangung von modernen Qualifikationen in der Schule an die Peripherie
zurückkehren, steigern sie dort den sozialen Wandel. Nach Beschreibung dieses
Wandels in der Nachkriegszeit geht Mac Andrews auf die 70er Jahre ein. Der
Druck, der aufgrund des ökonomischen Wachstums und der Migration in die Städte
entstand, bewirkte hier den Ausbau des Bildungssystems (MacAndrews 1986).
Eine wichtige
Rolle spielten seit den 60er Jahren die Fünfjahrespläne oder Repelitas (Renjana Pembangunan Lima Tahun), deren erziehungspolitische Inhalte
von Soedijarto beschrieben werden. Der Plan von 1969 bis 1974 sah vor, die Möglichkeiten
zu schaffen, die gesamte Bevölkerung im schulfähigen Alter in Institutionen der
primären Bildung aufzunehmen. Die 1973 begründete Instruksi President (INPRES)
ermöglichte durch Gewinne aus der Öilndustrie die Errichtung neuer Schulgebäude.
Für die sekundäre Bildung wurden wissenschaftliche Laboratorien eingerichtet.
Viele Textbücher wurden gedruckt. Die sekundäre Bildung wurde weg von der
generell akademischen Richtung zugunsten der Berufsschulen umstrukturiert, um
dem Bedürfnis nach wirtschaftlichen und technischen Qualifikationen nachzukommen.
Der Anteil der Absolventen der primären Bildungseinrichtungen sollte gesteigert
werden, besonders wenn diese ihren Bildungsweg auf den Berufsschulen
fortsetzten. Hiermit sollte dem Wunsch vieler Eltern, daß ihren Kindern neben
primärer auch sekundäre Bildung zur Verfügung stehe und das Bedürfnis nach
Arbeitern mit mittlerer Qualifikation entsprochen werden (Soedijarto et. al.
1980:69ff.; Beeby 1979:32 ).
Mitte der 70er
Jahre wurden viele Planungen realisiert. Das Analphabetentum und die „dropout rate“, die Zahl derer, die ihre
Schulausbildung z.B. wegen Verständnisschwierigkeiten vorzeitig abbrechen,
sollte reduziert werden. Die inoffiziell erhobenen Kosten, die Eltern für die
Bildung ihrer Kinder ausgeben mussten, wurden vereinheitlicht. Die Effizienz
des Systems sollte durch die Reduzierung der Zahl der Schüler, die Schuljahre
wiederholten, und die Verbesserung der Qualifikation der Lehrer und der
Verwaltung erhöht werden (Soedijarto et. al. 1980:77ff.). Um
1970 wurden das Badan Pengembangan
Pendidkan (BPP, 1975 in BP3K umbenannt) und das Ministerium für
Forschung und Entwicklung von Bildung und Kultur gegründet, die für die
Curricula, die Lehrpläne und die Bildung und Rekrutierung der Lehrer zuständig
war (Soedijarto
et. al. 1980:83; Beeby 1979:136ff.; Wong
1980:21).
Von 1974 bis
1978 wurde der Bildungsetat erhöht. Die Kosten für die primäre Bildung wurden
nun durch das nationale Budget getragen und die Eltern dadurch entlastet. Die
primäre Bildung wurde erheblich ausgeweitet, neue Gebäude errichtet und die
Lehrerbildung gefördert. Zur Verbesserung des Unterrichts wurden wieder viele
Textbüchern gedruckt.
In dem folgenden
Fünfjahresplan von 1979 bis 1984 lag der Schwerpunkt auf der Strukturierung des
Bildungssystems, besonders im sekundären und tertiären Bereich (Jones
1994; Wong 1980:23).
Ein wichtiges
Element des Systems sind private Schulen, die staatlich unterstützt werden.
Sie sind eine Stüze des Bildungssystems, wenn dessen Kapazitäten erschöpft
sind. Beeby beschreibt in seiner Studie zum indonesischen Bildungsystem das
Streben privater Einrichtungen der primären Bildung nach staatlicher
Anerkennung. Vieler dieser Schulen stehen unter staatlicher Überwachung und
erhalten Subventionen (Beeby 1979:30f.). Er beschreibt auch
die allgemeine finanzielle Situation der Schulen in Indonesien (Beeby
1979:38ff.)
Jones stellt die
Zeiträume 1966-1971 und 1985-1990 gegenüber. Er stelllt eine Expansion der
durchschnittlichen Ausbildungszeit fest und schließt daraus auf eine
Bildungsexpansion. Er vergleicht die Ausbildungs- und die Arbeitswelt und
untersucht den Bildungsstand in den beruflichen Positionen und die „rates of return to education“, also die
Frage, inwieweit sich die Investition des Staates in das Bildungssystem
auszahlt, wenn die Absolventen eine Position im Berufsleben finden.
Zu Beginn der
New Order war das Bildungssystem noch weit davon entfernt, eine umfassende
Primarbildung bereitzustellen. Der Bedarf nach staatlichen Maßnahmen wurde
angezeigt durch:
· Übervorteilung der Männer
· schlechte Ausbildung der
Lehrer
· der mäßige Zustand der
Schulgebäude
· lange Abwesenheitszeiten und
viele Ausbildungsabbrüche
· Bedarf an technischer
Ausbildung
· ungerechte Verteilung
staatlicher Subventionen
Bereits
1964 wurde ein Curriculum für die sekundäre Bildung erstellt, das die
politische Ideologie der Gelenkten
Demokratie unter Sukarno widerspiegelte, gefolgt von einem ähnlichen
Curriculum aus dem Jahre 1969 (Beeby 1979:138). Letzteres umfasste
die Schulfächer Pancasila (Religion,
Staatsbürgerkunde, Bahasa Indonesia, Sport), Allgemeinwissen, „Special Skills“, wie z.B.
Maschinenschreiben in der Handelsschule, und „Practicum“ (praktische Tätigkeiten vor allem technischer Art) (Beeby
1979:152).
Auch 1975 wurde
vom Departem Pendidikan dan Kebudaan,
dem Träger der säkularen Bildung, ein Curriculum für die primäre Bildung
entwickelt. Es beinhaltete entlang den Prinzipien der Pancasila von 1945 und den Regierungsrichtlinien von 1973 ein
fortschrittliches humanistisches Denken. In den primären Bildungsinstitutionen
sollte den Schülern eine staatsbürgerliche Identität, das Interesse an
physischer und psychischer Gesundheit und demokratischen Ansichten, die zur
persönlichen, kreativen Entwicklung im Sinne der Gesellschaft und der Verfassung
dienen sollten, vermittelt werden. Das grundlegende Menschenbild war das der „manusia pembangunan yang ber-Pancasila“,
der Mensch, der nach den Prinzipien des Fortschritts und der Pancasila lebt und
an materiellem und technischem Fortschritt (maju)
interessiert ist. Die eigenen Interessen waren den Gemeinschaftsinteressen
unterzuordnen. Die Anreize für die Befolgung der Verhaltensnormen Fleiß (rajin) und Enthusiasmus waren materielle
Versprechen, z:B. einer guten Position in der Gesellschaft, eines guten
Lebensstandards und der Versorgung mit Wohnung, Essen, Gesundheit, Kleidung und
Sicherheit (aman).
Das Curriculum
nahm eine distanzierte westliche Sichtweise der Traditionen ein. Die entspannte
Atmosphäre der Dörfer wird in den Textbüchern in Kontrast zum geschäftigen
Stadtleben gestellt und ihre Rolle auf die Lebensmittelproduktion bzw. auf „business“ reduziert. Das Familienideal,
das durch die Erziehung zur Familienplanung erreicht werden soll, war das der
Kernfamilie („happy family“). Die
Konzepte von Arbeitsteilung und der Rolle der Frau idealisierten die Männer zu
Landarbeitern oder Angestellten im öffentlichen Dienst und Frauen zu
Hausfrauen. Arbeit (kerja) wurde
immer kooperativ ausgeübt und war immer gegeben.
Die Methodik der primären
Bildung wird durch die allgegenwärtige Pancasila
und die Autorität der Textbücher geprägt, mit denen die unzureichend
ausgebildeten Lehrer ihren Unterricht führen, indem sie die Texte laut vorlesen
lassen. Sie besitzen oft nicht genug Kompetenz, um über die dargestellten
Modelle der „happy family“ oder des
Dorf- und Schullebens hinauszugehen. Gelernt wird in Gruppen und in entspannter
Atmosphäre. Trotz ihrer mangelnden Qualifikation verfügen die Lehrer über hohes
Prestige. Oft sind sie Mitglieder von Regierungsorganisationen und
repräsentieren mit ihrem gepflegten Erscheinungsbild das verantwortungsvolle
Mitglied der Gesellschaft. Die Architektur der Schulen ist zumeist einfach und
solide, die Nation (bangsa) und ihre
Symbole sind allgegenwärtig. Es wird exerziert und regelmäßig findet ein
Fahnenappell statt (Parker 1992a:45ff.; 1992b:113ff.).
Parker
beschreibt die Inhalte der primären Bildung in den 90er Jahren anhand der
Fächer Bahasa Indonesia, Mathematik,
Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Pancasila,
Religion, Kunst und Pramuka, wobei
der Aufsatz über „Creation of Indonesian
Citizens“ die Fächern Sozialwissenschaft und Pancasila beleuchtet. In „The
Quality of Schooling“ stellt sie die pädagogischen Konzepte dar. Beeby
erklärt, daß der Schwerpunkt der primären Bildung im Rahmen des Curriculums von
1975 auf das Erlernen der Bahasa
Indonesia gelegt wurde. Wong betont die Rolle der Bahasa Indonesia als Garant der nationalen Identität des
Erziehungssystems (Beeby 1979: 148f.;Wong 1980:25ff.). Barbara Leigh
beschreibt die mangelnde Differenzierung der Fächer untereinander und die
Einbindung der Textbücher im Unterricht (Leigh 1991)
Den Mittelpunkt
des Fachs Moralische Erziehung in Pancasila (Pendidikan Moral Pancasila, PMP) bildet die Staatsbürgerkunde auf
der Grundlage der Pancasila und der
Verfassung von 1945. Die Entwicklung des politischen Systems und der Ökonomie
Indonesiens und die Entstehung der Menschenrechte in Europa werden dargestellt.
Die Schüler erfahren die Rechte und Pflichten in der Familie, der Schule und
ihrer Gesellschaft. Anhand der Konzepte von Konsens und Kooperation wird
soziale Gerechtigkeit verdeutlicht.
Die Sozialwissenschaften
(Ilmu Pengetahuan Sosial, IPS)
beinhalten Soziologie, Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik und
Staatsbürgerkunde. Die Interaktion des Individuums in seinem sozialen und
physischen Umfeld soll beschrieben werden, ebenso die politische und
ökonomische Entwicklung Indonesiens und dessen politisches und soziales System
mit seinen Institutionen und Organisationen. Parker kritisiert, daß
Partizipation als „responsibility of
citizens to obey and contribute via hard work“. dargestellt werde und die
Schüler somit zu autoritärem Denken über die Pflicht zur Unterordnung erzogen
würden.
Der Mathematik-Unterricht
umfasst neben Arithmetik Algebra und Geometrie. Hier sollen Lösungen für
Probleme im Alltag entwickelt werden. Die Naturwissenschaften (Ilmu Pengetahuan Alam) bestehen aus
Physik, Astronomie, Chemie, Geologie, Botanik, Demographie und der Erziehung in
Gesundheit und Ernährung. Im Fach Sport und Gesundheit findet neben
Ballspielen eine theoretische Erziehung in Ernährung, Hygiene und
Familienplanung statt. Die Erziehung in den plastischen und darstellenden
Künsten hat im Fach Kunst ihren Platz. Handwerkliche Tätigkeiten werden in „Special
Skills“ gelehrt. Die Regionalsprachen verlieren an
Bedeutung und werden mit wachsendem Alter und höherer Klassenstufe durch die Bahasa
Indonesia ersetzt, wobei der Schwerpunkt auf dem Rezitieren und dem
Schreiben liegt. Das Fach Pramuka besteht aus
Pfadfinderspielen und Singen, z.B. der Nationalhymne. In Religion wird die
regionale Kultur der einheitlichten indonesischen Kultur gegenübergestellt (Parker
1992a:51ff., 1992b:106ff.).
1. Der Zugang
zum kolonialen Bildungssystem war bestimmt durch die Schichtzugehörigkeit.
Anfangs war es nur Prijajis möglich, eine formale Qualifikation zu erlangen,
die eine Position in der kolonialen Verwaltung zusicherte.
2. Das
Bildungssystem war in allen hier dargestellten Epochen Ausdruck der politischen
Ziele der Regierung. Das System wurde genutzt, um pragmatische Bedürfnisse,
z.B. nach billigem einheimischem Personal, zu decken oder die Staatsideologie
zu verbreiten.
3. Mit der
teilweise experimentellen Schaffung neuer Bildungsinstitutionen durch die
Kolnialregierung waren immer neue Forderungen verschiedener Bevölkerungsteile
verbunden, besonders wenn die Anforderungen der Praxis nicht erfüllt wurden.
4. Das
indonesische Bildungssystem erweist sich als relativ homogen. Es wurde von der
Regierung konstruiert und ist hierarchisiert und bürokratisiert. Sein Zentrum
war seit den Anfängen der Bildung Java.
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[1] In den 50er und frühen 60er Jahren spielte außerdem die Partei PKI (Partai Kommunis Indonesia) eine Rolle im informellen Bereich der Erziehung im Sinne der „wild schools“ und der Taman Siswa. In den Unra-Schulen wurden Aktivisten im Sinne marxistischer und nationalistischer Denkweisen ausgebildet (McVey 1990).
[2] Beeby führt für das sekundäre Bildungssystem der 70er Jahre weitere Schulformen auf: SMEP (Handel), SKKP (Hauswirtschaft) und ST (Technik) für die berufsbildende Richtung der niedrigen Stufe, SMEA (Handel), SKKA (Hauswirtschaft), STM (Technik) und SPG (Lehrerschulen) für die der höheren Stufe (Beeby 1979:32f.). Bei Beeby und Soedijarto finden sich Übersichten zum Bildungssystem Indonesiens in den 70er Jahren (Beeby 1979:336; Soedijarto et. al. 1980:68).